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Anthropology!

Philipp Schaufelberger - guitar
Christian Wolfarth - percussion

Zwischenzeitllich weit gereist in den Gefilden der improvisierten sowie der zeitgenössischen Musik, finden sich zwei klangbewusste Lakoniker an der gemeinsamen Quelle Jazzmusik wieder. Über die Liebe zu den alten Stücken hinaus wird ein ernsthafter Versuch unternommen, den Ansatz zu einem postidiomatischen Zugang zu formulieren.
 

Während der Anthropologe normalerweise zu menschlichen Eigenarten forscht sind wir hier eingeladen, die Forschenden selber und ihre Disziplin zu entdecken. Wenn man den Titel dieses Albums einmal wörtlich nimmt. Christian Wolfarth und Philipp Schaufelberger bilden allerdings einen Seitenzweig solcher Wissenschaft, der mit künstlerischen Werkzeugen operiert.
Lil' Darling und Stompin' at the Savoy, Mood Indigo und Sweet Georgia Brown; das Repertoire klingt nach Big Band, nach kenn-ich-doch und lang-ist‘s-her. Es ist aber kein historisierendes Anliegen, sondern eine Wiederbegegnung mit diesem musikalischen Erbe aus heutiger Perspektive, welche zu dieser Auswahl führt.
Zwar bleiben die Stücke formal intakt, auch ist ein durchgehender Puls in der Regel erkennbar. Innerhalb dieser Idiomatik findet jedoch ein Dialog statt, den man in dieser bedingungslosen Offenheit eher aus der improvisierten Musik kennt. Oder wie es ein Konzertbesucher einmal formulierte: es ist eine Freude, diesen Musikern beim Zuhören zuzuhören!
Schaufelbergers reduziertes Gitarrenspiel und das schlanke Schlagzeug von Wolfarth, welches mit einer Snare und zwei Becken auskommt, machen diese Musik zu einer filigranen und luftigen Angelegenheit, die bei allen Aussparungen immer vollständig ist. Das nicht-Gesagte ist dabei wichtiger Bestandteil, und über die persönliche Hörgeschichte mit den bekannten Stücken schimmert beim einen oder der anderen Zuhörerin vielleicht dann doch ganz zart die alte Bigbandzeit auf.